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Telefonieren und Surfen im Ausland: Das ändert sich ab dem 15. Juni

München, 16.06.2017 | 11:23 | bka
Am 15. Juni werden die Roaming-Gebühren für das Telefonieren, SMS versenden und Surfen im EU-Ausland abgeschafft. Was sich im Detail ändert, welche Einschränkungen es gibt und was Mobilfunkkunden beachten müssen, um auch im Urlaub ihren Tarif wie zu Hause nutzen zu können.
Surfen, simsen und telefonieren ist ab dem 15. Juni auch im EU-Ausland ohne Roaminggebühren möglich.
Nach jahrelangem Ringen mit den Mobilfunkanbietern tritt ab dem 15. Juni 2017 eine neue EU-Verordnung in Kraft: Roaming-Gebühren innerhalb der Europäischen Union sind dann Geschichte. Das heißt: Kunden können ihren Mobilfunkvertrag im EU-Ausland zum gleichen Preis nutzen wie zu Hause.

Alle Tarifbestandteile wie Telefonieren, SMS verschicken und mobil im Internet surfen sind somit auch im EU-Ausland ohne Mehrkosten gültig. Allerdings gibt es einige Einschränkungen und Fallstricke, auf die Nutzer vorbereitet sein sollten.

In diesen Ländern entfallen die Roaming-Gebühren

Die neue Verordnung gilt in allen 28 EU-Mitgliedstaaten. Auch Großbritannien gehört dazu, solange der Inselstaat noch zur Europäischen Union gehört. Kurze Zeit später soll diese Regelung auch in den Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) – Island, Liechtenstein und Norwegen – eingeführt werden. Wer allerdings Urlaub in der Schweiz oder der Türkei macht, muss beachten, dass die beiden Länder nicht zu den EU-Staaten zählen und hier weiterhin Roaming-Gebühren anfallen können.

Achtung bei Anrufen ins Ausland

Grundsätzlich gilt für jeden Tarif: Für im EU-Ausland getätigte Anrufe, versendete SMS und verbrauchte Daten werden keine Preisaufschläge mehr erhoben. Wer also einen Tarif mit Telefon- und SMS-Flat sowie einem Datenvolumen von etwa 1 GB in Deutschland abgeschlossen hat, kann diesen ohne zusätzliche Kosten im EU-Ausland nutzen. Anrufe innerhalb des Urlaubslands und nach Deutschland sind damit inklusive; das Datenvolumen kann genauso versurft werden, wie zu Hause.

Aber Achtung: Die Preise für Anrufe aus Deutschland etwa bei einem Bekannten oder Verwandten, der in Italien lebt und dort einen italienischen Mobilfunkvertrag abgeschlossen hat, sinken nicht. Telefonate aus Deutschland in andere Länder können also weiterhin zusätzlich Geld kosten. Anbieter müssen die Auslandsoptionen im Vertrag nicht automatisch auf die günstigste Variante einstellen. Wer bisher einen gesonderten Zusatztarif oder ein EU-Paket zu seinem Vertrag hinzugebucht hat, darf sich freuen: Provider werden diese Zusatzpakete automatisch auslaufen lassen.

Dauer-Roaming ausgeschlossen

Roaming-Gebühren entfallen nur im Fall von Urlauben und Reisen. Wer mehr Zeit zu Hause verbringt als im EU-Ausland, muss also keine weiteren Kosten fürchten. Um das zu prüfen, dürfen Mobilfunkanbieter Nutzerdaten speichern und auswerten. Stellt sich in einem Zeitraum von vier Monaten heraus, dass der Kunde seinen Tarif zum Großteil im Ausland genutzt hat, darf der Anbieter auf den Kunden zugehen und nachfragen. Wer seinen Tarif danach weiterhin im Ausland nutzen will, muss mit Aufschlägen von bis zu 3,2 Cent je Anruf und 1 Cent je SMS rechnen. Ausnahmen gelten für Pendler, die in einem EU-Land wohnen und in einem anderen EU-Land arbeiten.

Tarife ohne Auslandsnutzung

Durch die neue Regelung fallen für Provider wichtige Einnahmequellen weg. Verschiedene Anbieter haben deshalb seit Kurzem Tarife im Angebot, die eine Nutzung im Ausland ausschließen. Diese Verträge können etwas günstiger sein, ein Anruf oder eine SMS aus dem Urlaub nach Hause ist somit aber nicht mehr möglich. Außerdem gibt es Tarife, die nicht vollumfänglich im Ausland genutzt werden können. Satt des inkludierten Datenvolumens von beispielsweise 1 GB kann der Anbieter eine bestimmte Kapazität – etwa 250 MB – für die Nutzung im Ausland einräumen.

Obergrenze für Internetnutzung

Des Weiteren gibt es eine Fair-Use-Policy, die regelt, dass sich die Nutzung des Tarifs im EU-Ausland in einem fairen beziehungsweise üblichen Rahmen bewegen muss. Wie dieser aussieht, kann von Anbieter zu Anbieter variieren. Trotz Wegfall der Roaming-Gebühren kann es seitens der Anbieter somit Einschränkungen und Obergrenzen etwa für den Datenverbrauch im EU-Ausland geben. Bei übermäßiger Nutzung haben Anbieter sogar die Möglichkeit, zusätzliche Gebühren zu erheben. Provider sind aber dazu verpflichtet, ihre Kunden über die Obergrenzen zu informieren.

Zudem müssen sie ihren Kunden mitteilen, wenn sie sich dieser Grenze näheren. Falls die Grenze überschritten wird, darf der Anbieter pro GB aktuell 7,70 Euro plus Mehrwertsteuer erheben. Bis 2020 sinkt dieser Betrag schrittweise auf 2,50 Euro. Mit der Fair-Use-Policy soll verhindert werden, dass ein Kunde eine SIM-Karte in einem Staat mit besonders günstigen Mobilfunkpreisen kauft und diese auf Dauer in seinem Heimatland nutzt.

Nutzung von Prepaid-Tarifen im Ausland

Die meisten Prepaid-Tarife enthalten kein festes Volumen für Telefonate und Daten, das entsprechend auch im Ausland nutzbar wäre. Im EU-Ausland bezahlen Nutzer solcher Tarife für 1 GB Datenvolumen 7,70 Euro. Ist die SIM-Karte zum Beispiel mit 15 Euro aufgeladen, können im Urlaub 1,9 GB versurft werden. Sollte ein Prepaid-Tarif Inklusiv-Einheiten für Telefonie und SMS enthalten, gelten diese meist nur im Inland.
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